Am Freitag den 19. September 2008 hat es mal wieder geregnet in Paraguay.

Und in Caacupe gab es gegen 14.00 Uhr Ortszeit ein Gewitter. Gegen 17.00 Uhr erfuhr ich vom soundsoviel-
ten Geschäftsführer der Firma PARACOM, Thomas Pfeiffer, dass vielleicht ein Blitz in die Antenne des Internet-
Providers eingeschlagen hätte. Nix Genaues weiss man nicht, aber so lange es regnen würde, gäbe es nie-
manden, der die Leiter des Turms hochsteigen würde, um nachzusehen, woran es läge: " Vor morgen wird das nichts..."

Samstagmorgen: Ich telefoniere Thomas nach 18 Stunden Internet-Abstinenz aus dem Bett. "Auf, auf - es ist
acht Uhr morgens! Jag' den Burschen auf die Antenne..." Nix. "So lange es regnet wird das auch heute nichts."
Mein Einwand, dass es nicht mehr regnen würde, half nicht. Bei ihm (20 km von Caacupe entfernt) gieße es
wie aus Eimern....

Samstagnachmittag: "Wie sieht es aus? Ich hab' jetzt seit 26 Stunden kein Internet! Meint ihr, ich surfe da nur
ein bisschen rum, oder was? Das Internet ist inzwischen mein Job. Ihr macht mir quasi meinen Laden dicht..."
- Keine Chance! Da klettert keiner die feuchte Leiter hoch! Erst wenn es trocken ist, hat der Techniker gesagt...

Sonntagvormittag: Draußen scheint seit vier Stunden die Sonne. 44 Stunden ohne Internet.
Und es geht immer noch nix. Wie viel Trockenheit braucht so ein Paraguayer eigentlich, bis er 'ne Leiter hoch-
klettert? Okay - nach zwei Jahren PARACOM reicht es mir jetzt! Ich setze mich hin und schreibe mangels In-
ternet aus lauter Langeweile diesen Bericht (zunächst im Windows-Word) um es später (so Gott und die PA-
RACOM es zulassen) auf die Homepage zu kopieren. Und: ich werde nach viel Geduld und Frust morgen, Montag, auf neue Provider-Suche gehen...

Zwei Jahre lang ein Jammertal, tagelange Vertröstungen, wochenlang keine E-Mails verschicken können:
irgendwann ist selbst meine Engelsgeduld am Ende... Dabei hätte ich schon vor zwei Jahren wissen müs-
sen, was da auf mich zukommt. Hätte es wissen müssen, als ich im Juni-Juli 2006 zwei Monate zur WM in Deutschland war und vorher den PARACOM-Auftrag vergeben hatte.

Im August kam ich wieder zurück, aber mein Zugang beim neuen Provider stand immer noch nicht. Techni-
sche Probleme, Personalprobleme. - Naja: man freut sich ja auf  "endlich deutsches Know-how" im Inter-
netbereich! 100 Dollar kostete der Spaß im Monat, dafür sollten dann meine 256 Kilobit pro Sekunde funtzen wie verrückt. (Zur Erinnerung an deutsche Leser: das ist jenes Tempo aus den Kindertagen des Internet, wo man noch eine Briefmarke auf jede E-Mail kleben musste, damit sie überhaupt aus der Box krabbelte...)

Ich hätte als Paraguay-Kenner auch wissen müssen, dass das so genannte "Tranquilidad" (Gelassenheit)
der Paraguayer, gemixt mit der Ex-Ossi-Lebenseinstellung "Improvisation ist alles" eine ziemlich tödliche
Mischung für die User und Kunden darstellen könnte. An sich sollte man die Firma in PARA-CHAOS umtau-
fen, denn krasser und chaotischer hab' ich noch nix an Firmen in meinem Leben kennengelernt.

So richtig weiß eigentlich bis heute keiner, wer da für was zuständig ist. Technik und Vertrieb (ich glaube es
sind zwei verschiedene juristische Gesellschaften) sind so engmaschig und desorientiert miteinander ver-
knüpft, dass sich das betriebwirtschaftliche Chaos in allen Ebenen verteilte. (Aktuell: Es ist jetzt Sonntag, 11 Uhr Vormittag. Thomas Pfeiffer, der inzwischen x-te Geschäftsführer der PARACOM wollte mich anrufen, wenn
sein Mann die trockne Leiter hochgeklettert ist. 45 Stunden von der virtuellen Welt abgeschnitten...)

Technisch steht Frank Sulek an der Spitze der Paracom. Die Paracom gibt es auch in Deutschland und - ich
glaube - in Österreich. Frank macht von hier aus den Support und gibt seinen wenigen Kunden (in der Blüte-
zeit der PY-Paracom waren es in und um Asuncion um die 60) immer das Gefühl, das fünfte Rad am Wagen
zu sein. Er braucht einen guten Zugang für seinen Support und wir, die Kunden, sind vermutlich die zahlenden
Melkkühe, die einen Teil seiner Unkosten decken. Frank Sulek kennt sich technisch bestens aus, hat aber kei-
nen blassen Schimmer von Betriebswirtschaft. Ein technischer Bastler halt, der aber auch niemanden gerne
in seine Karten gucken lässt.

Ein paar Mal hat er versucht, sich durch deutschsprachige Techniker teilweise etwas zu entlasten. Das ging
nie gut. Der eine war ein Ex-Alkoholiker, ein anderer ein Biersäufer, der hauptsächlich eigene Interessen in
seinen nüchternen Phasen vertrat. Es gab ein Büro, voll mit Personal. Aber keiner war zuständig. Ex-Ossis
gaben sich als Geschäftsführer die Klinke in die Hand (hee, hast du was gegen Ossis, Walter...? Antwort: "Nach meiner Paracom-Erfahrung kann ich das nicht mehr von der Hand weisen.") Ich weiss: Pauschalur-
teile taugen nix. Es gibt solche und solche. Aber bei der Paracom lernte ich halt nur 'solche' kennen...

Oder wie soll man sonst reagieren, wenn man nach einigen Stunden Internet-Ausfall die eingerichtete "Hot-
Line" um 20.00 Uhr anruft, um zu erfahren, ob es an diesem Tag noch was wird, mit dem Internet, und das
Gespräch mit "Weisst du überhaupt, wie spät es ist?" eröffnet wird. Und dann: "Denkst du, wir sind nur für dich
da?" (Ex-Geschäftsführer Thomas Braune). Das ist eine Firmenpolitik, mit der ich nur schwer zurechtkomme.
Denn eigentlich will ich nie meinen Provider anrufen müssen. Es sollte klappen, weiter nix. Aber jede Woche
immer und immer wieder telefonieren - das ist schon krass!

Anfangs ging praktisch so gut wie nichts. Dann bemerkte einer, dass mein Web nicht gehen konnte, weil die Antenne eine Macke hatte. Dann kam die neue Antenne - immer noch nix. Dann kam Frank Sulek und stellte fest, dass ein Turm her müsse. Der koste zwar (mich) 1000 Dollar, aber dann würde es reinhauen wie noch nie! Ich bestellte den Turm und sabberte schon vor Vorfreude über den traumhaften Internet-Zugang. Dann fehlten denen aber leider die Antennen und es gab erst mal ein Provisorium. Nix Berauschendes, aber das würde ja bald kommen...

Irgendwann, nach zig Reklamationen kam dann die Superantenne. Aber kein Internet. Irgendwie ging nichts,
die Techniker kriegten es nicht hin. Frank Sulek war aber nicht da. Das alte Ding wieder drauf - und wieder
schritt die Zeit ins Land. Irgendwann kam sie dann, die neue Antenne und Frank Sulek richtete sie ein. Es
gehe zwar nur mit knappen 60% Leistung, hörte ich dann nach zwei Stunden, aber er würde das schon rich-
ten. Auf meinen Turm käme bald eine Station, die andere beliefern würde und ich sei der Ranghöchste und
vor die anderen geschaltet...

Nach weiteren zwei Monaten wurde ich giftig. Für 100 Dollar im Monat wollte ich einen tollen Internetzugang.
Dann endlich stellte einer fest, dass meine Antenne nach etwa 500 Metern direkt ins Erdreich peilte. Die neue
Station kam schließlich auch. Dennoch war nix besser. Ein gutes Jahr war inzwischen dahin. Mehr Internet-
Frust als Lust! Frank Sulek kam wieder vorbei und entdeckte, dass meine Antenne nach einem 40 Meter
langen Kabel direkt oben neben der Station in die falsche Richtung schaute. Das könne ja nicht gehen, sagte
er. Die Antenne müsse zu mir nach unten und dann von dort aus die Station am Kopf des Turmes anpeilen.
Dann wäre das irre lange Kabel auch kürzer und es würde brummen...

Okay. Es brummte. Mal für Tage, mal für zwei, drei Wochen. Dazwischen immer wieder kräftige Zwangspau-
sen. Die Geschäftsführer wechselten wieder und wieder, bis am Ende einer der PARACOM-"Aktionäre" - Ecki Poposchowsky oder ähnlich (verkloppt inzwischen, wie alle hier, Immobilien) – die Geschäftsleitung über-nahm. Einen Monat, zwei oder drei...? Ich weiss es nicht mehr.

Irgendwann erschien beim Einloggen jedenfalls der Text, dass besagter Eckehard zwar die Monatsgebühren
bei den Kunden kassiert, aber nicht den Internet-Stream bei der staatlichen "Copaco" bezahlt habe. Offiziell wurde die PARACOM dann wegen Geldmangels dicht gemacht und war nach zwei langen Frustjahren pleite. Aber - so der neue Geschäftsführer Thomas Pfeiffer - ab jetzt werde alles besser. Nur ein paar Leute würden intern einen Zugang erhalten. Damit wären dann auch die ewigen und leidigen Personalprobleme endlich
vom Tisch...

Ich glaubte es wieder und frohlockte. Endlich einen ungetrübten Internetzugang! Was ich nicht wusste: mit meinen 100 Dollar (für 256 kb/sec.) kaufte er bei einem anderen Provider (Personal) 512 kb/sec. hängte das
an die Paracom-Antenne und verteilte es auf die übriggebliebenen 5 Kunden. Inzwischen hat man zwei Streams zu je 512 kb bei Personal gebucht (Kosten etwa 130 Euro) und liefert die an den übriggebliebenen harten Kern von fünf Leuten ab. Selbst damit könnte ich leben, dass ich der Doofe bin, der für drei andere mit
bezahlt, aber jetzt ist es 12.30 Uhr, wunderschöner Sonnenschein da draußen und immer noch keine Erfolgsmeldung von Thomas. Und der ist nicht mal ein Ex-Ossi...

Nächste Woche, so sagte mir Frank Sulek vor zwei Wochen, würde wieder mal alles besser werden. Aber da
müsse er einiges umstellen. Das brauche mindestens drei Stunden. Hm. Die drei Stunden Zeit hatte er bis
heute nicht. Und was ist bitte, wenn er - der einzige, der sich mit der Technik auskennt, mal krank wird? Oder
ein Autounfall? Oder noch übler: was ist, wenn es gleich wieder zu regnen anfängt und es 'ne ganze Woche
diesig bleibt...?

Wie erklärt man das seinen Kunden, Freunden und Verwandten, wenn man ihnen keine E-Mail schicken
kann...? Anrufen? Mein Internet-Telefon geht seit einem knappen Jahr nicht mehr, weil der Port dicht ist und Frank das - sobald er etwas Zeit hat - richten wollte. Klar, ich könnte einen Luftpostbrief schreiben. Dann wissen meine Kunden innerhalb von einer Woche, dass zur Zeit nix mehr geht, mit den E-Mails...

Jetzt ist es Sonntag, 13.00 Uhr. 47 Stunden ohne Internet weil es am Freitag regnete. Ich denke, ab nächste
Woche hat Paracom nur noch vier Kunden, einen Geschäftsführer und einen Frank Sulek, der nie krank wer-
den darf. So sollte und darf man selbst in einem Land wie Paraguay keine Firma strukturieren...

Ach ja - das Internet funktioniert wieder! Jupppiee! Jemand ist also endlich die Leiter hoch und hat es gerich-
tet! Montag auf Dienstag. Es ist 2.00 Uhr nachts. Das Internet hustet mit Ping-Timeouts von vielen Minuten,
dann geht gar nichts mehr. Meine Internet-Spielwiese, die mir bei halbwegs normalem Web-Zugang immer-
hin zusätzliche 1.800 – 2.000 Dollar im Monat einspielt, kann ich für heute vergessen. Da bei PARACOM
nachts eh keiner ans Telefon geht und auch niemand von alleine die Ausfälle bemerkt, gehe ich frustriert ins
Bett.

Man kennt das ja bereits zu Hauf aus den letzten beiden Jahren. - Jede Woche, jeden Monat, Probleme, An-
rufe, Frust und Ärger. Gott, ich träume schon davon, dass ich den Computer einfach wie einen Fernseher
einschalten kann und dann kommt das Bild! Stellt euch einfach vor, Freunde, ihr müsstet einige Male in der
Woche RTL oder T-Online anrufen, keiner ist zuständig und wenn dann doch irgendwann wieder das Bild
käme, wäre es schlapp und ruckelig und ein paar Tage später wieder weg – immer und immer wieder neue
und andere Probleme! Das kann nerven!

So. Dienstag, 11.00 Uhr morgens. Heute waren es nur neun Stunden ohne Internet. Nur ein lumpiger Arbeits-
tag! Da kann man nicht meckern. Und im Laufe dieser Woche kommt ja eh der Techniker vom neuen Provi-
der, dann hat das Trauerspiel hoffentlich ein Ende! Oje, Mittwoch, 16.00. Als ob PARACOM riechen würde,
dass ich hier über sie schreibe: ab 16.00 Uhr wieder mal kein Internet. Am Abend geht's dann wieder bis Don-
nerstagnacht. Aber irgendwann ist es dann wieder zappenduster. Den kompletten Freitag über geht absolut nichts! "Zielhost nicht erreichbar".

Nach 28 Stunden Internet-Abstinenz hofft man dann am Samstagmorgen, dass es endlich wieder klappt oder
dass zumindest der Techniker, den mir der neue Provider TIGO vorbei schicken wollte, am Tor klingelt. Der
Techniker kommt gegen 14.00 Uhr und um halb drei bin ich endlich wieder online! Ich gucke noch schnell mit
PARACOM ins Internet: immer noch tot. Und das wird so gehen bis Montag, wie ich später höre. 120 Stunden
kein Internet in einer Woche! Mann oh Mann - so langsam bekommen Sie ein Bild davon, was man einem hier
für 100 Dollar pro Monat so alles zumutet, oder...?

Thomas Pfeiffer, der mir am vorletzten Freitag sagte, er würde mir Bescheid geben, wenn das Internet wieder
geht, hat sich bis heute natürlich auch nicht gemeldet!

– Sorry, es sind also nicht immer nur die Ossis... :-)


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Nachtrag: Juppiee! Mit TIGO seit drei Monaten ohne eine Minute Ausfall. Und das völlig ohne deutsch-deut-
sches Know How!

Paraguay Informationen

Homepage für Paraguay-Auswanderer

PARACOM - Erfahrungen mit einem deutschen Internet-Provider in Paraguay
Lust und Frust sind Schwestern
Ohne Internet geht heute nix mehr.
Ohne Internet wäre ich 1998/99 wieder rückgewandert.
Doch mit dem Internet rückte nun die Welt auch an Paraguay näher ran.
Man war wieder auf dem Laufenden, konnte e-Mails schreiben, chatten,
später telefonieren, Filme downloaden und wer weiß noch was alles.

Das Internet kostete in Paraguay Ende der 90er Jahre( mit schlappen
128 kb/sec) rund 300 Dollar im Monat. Dann purzelten die Preise
und dann kam auch irgendwann die deutsche Paracom




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C.d.C. 2749, PY-1209 Asunción (Paraguay)


Für Dumpfbacken und Sprachunkundige:
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C.d.C. 2749, PY-1209 Asunción (Paraguay)


(Falls Sie dennoch Fotos oder Texte von dieser Homepage klauen wollen,
erwartet Sie im günstigsten Fall eine Rechnung in Höhe von 100.- Euro pro 1 bis 2000 Zeichen/Buchstaben
bzw. 100.- Euro pro Foto.
Ich an Ihrer Stelle würd's bleiben lassen und mir eigene Texte einfallen lassen.)

Der Hinweis ist leider notwendig. In Paraguay dachten in der Vergangenheit
einige Homepage-Bruzzler, dass 'Gedanken frei sind', kopierten dann weite Passagen
aus meinem Reiseführer oder von meiner Homepage auf ihre Seiten und:
setzten da dann sogar ihr eigenes Copyright drunter :-) ! Und in ihren Link-Listen führten Sie
dann kameradschaftlich noch alle möglichen Webseiten auf – nur meine nicht.
Es gibt schon ulkige Vögel unter den Einwanderern, was...?

Paraguay-Smily