Autokauf
ist reine
Männersache meint
Uwe! Ich durfte nur beim Über-
setzen
der Kleinanzeigen helfen und danach die ersten vier Verkäufer
anrufen, um Termine für Uwe zu machen. Dann zog er los. Mit 5 Mil-
lionen
(Guaranies) in der Hosentasche. Allerdings nicht, ohne vorher
unsere Verwandten anzurufen und unseren
Besuch für den kommenden
Sonntag anzukündigen. Mit dem neuen Auto kämen wir vorbei also
ciao bis
Sonntag...
Um zehn Uhr machte er sich auf die Strümpfe, um elf zogen
schwarze Wol-
ken am Himmel auf und ab zwölf donnerte und krachte es, wie
man es nur
in tropischen Ländern kennt. Es goss wie aus Kübeln. Um
vier rief Uwe an.
Er habe das Auto (klang zerknirscht), aber er stünde
damit auf der Eusebio
Ayala (eine stark befahrene Straße nahe des Pettirossi-Marktes),
weil ihn
ein Polizist nicht mehr weiterfahren lassen wolle
ich sollte mal mit dem
Mann reden...
O
b
ich das jemals vergessen werde?
"Jetzt reicht's mir!"
sagte Uwe eines Tages
und zog dann alleine los, um ein Auto zu kaufen...
Ohne Auto
geht nix in Paraguay...
Mabel hat natürlich
gut lachen. Sel-
ber kann sie nicht Autofahren und
sie will es auch nicht lernen. Aber
ohne Auto geht wirklich nix in Para-
guay...
Wer
was auf sich hält, der
braucht
also ein Gefährt. Zum Einkaufen, um
die Kinder in die Schule zu bringen, um Verwandte
zu besuchen oder
einfach um irgendwo hin zu fahren.
Das gilt natürlich besonders für Leu-
te, die außerhalb einer Stadt leben.
Einzige Alternative: Stadt- oder Über-
landbusse (beides sind meist aben-
teuerliche Vehikel, die wenig vertrau-
enserweckend wirken. Das gilt auch
für die Fahrer, die manchmal auf ei-
nem am Boden festgeschweißten
Gartenstuhl sitzen!). Und Taxis na-
türlich! Ich fuhr mal mit einem, wo
ich ständig die Beifahrertür zuhalten
musste. Die Taximeter laufen alle
anders und von Verkehrssicherheit
sind die meisten Taxis weit entfernt.
Inzwischen
weiß ich, dass
es auch
heute noch "Mau-Mau" -Autos gibt
und "Mau"-Autos (mit einem "Mau")
sowie die legalen, importierten Au-
tos.
Mau-Mau
bedeutet, das Auto wurde
wahrscheinlich mal irgendwann als
gestohlen gemeldet. Es fährt unan-
gemeldet und unregistriert durch's
Land und wenn man erwischt wird.
kann es beschlagnahmt werden.
Mau
bedeutet
das gleiche, aber das
Auto wurde in Paraguay angemeldet
und zugelassen. Damit kann man
mit etwas Glück im Inland rumfah-
ren, aber niemals über die Grenze
nach Brasilien oder Argentinien. Da
würde das dann beschlagnahmt werden.
Alle 'normalen' Autos
sind
registriert
und haben den sogenannten "Titel",
also gültige Papiere. KFZ-Briefe bzw
KFZ-Scheine wie in Deutschland ex-
istieren hier nicht. Hier kann auch
jeder ohne Fahrpraxis ins Auto stei-
gen und losfahren. In vielen dörfli-
chen Gemeinden geht man einfach
ins Gemeindeamt (Municipalidad)
und "kauft" sich dort seinen Führer-
schein (zwischen 7 und 17 Euro, je-
nachdem ob Klasse 3 oder Klasse
2. Der LKW-Führerschein heißt hier
"Professional", den kann man auch
auf der Gemeinde bekommen...)
Also,
Leute immer darauf
achten,
dass euer Auto legal ist. Der Spott-
preis, den man hier für "Mau-Autos" bezahlt, reizt
zwar, aber man läuft
ständig Gefahr, damit erwischt zu
werden und dann ist das schöne
billige Auto weg...

Somos
Amigos...
"Wir sind Freunde" heißt das und
es wird gerne gesagt, wenn man
jemanden mit einem kleinen Handgeld zufriedengestellt hat. Mir war
sofort klar, was der Polizist am Telefon haben wollte. Da diese Sache
besonders "dificil" wäre, seien Gs. 100.000 angebracht, meinte
der
Hüter des Gesetzes. Das waren damals etwa 25 Dollar. Ich ließ mir
Uwe geben, erklärte ihm die Sache und er schien sichtlich erleichtert.
In zwanzig Minuten sei er daheim, sagte er...
Um
18.00 Uhr hörte der Regen
endlich auf, aber ich wurde unruhig,
denn von Uwe war immer noch nichts zu sehen und zu hören. Etwa
eine halbe Stunde später klingelte das Telefon. Uwe. "Ich stehe hier
gegenüber vom Shopping..." (es hörte sich ziemlich
jämmerlich an,
dann war die Leitung unterbrochen). Die Batterien seines Handys
waren leer oder die Telefonkarte. Oder beides. Ich versuchte
nun,
ihn zu erreichen. Wahrscheinlich waren es die Batterien.
Nix ging
mehr. Zehn Minuten später rief er mich von einem anderen Telefon
aus an. Ich solle unseren Freund Peter anrufen und ihn zum "Shop-
ping del Sol" schicken, sagte er. Und Peter solle ein
Abschleppseil
mitbringen. "Wahrscheinlich ist irgendwas mit der Zündung..."
Peter
lebt schon seit drei Jahren
in Paraguay und er hat einen schwe-
ren Toyota (mit Papieren). Allerdings war er
nicht daheim. Luma
schlief bereits in ihrem Bettchen. So lief ich rasch zur nächsten Stras-
senecke zum Taxistand, erklärte einem Fahrer das Problem und wo
er Uwe finden würde und der schipperte dann los. Es begann wieder
wie aus Eimern zu regnen. Gegen 20.00 Uhr kam Uwe dann endlich
nach Hause. Demoralisiert sah er aus, nach seiner ersten Autofahrt,
und völlig durchnässt und schmutzig. Das Auto hatte
er nicht dabei.
Nach einer tiefen Straßenpfütze wäre es ausgegangen und nicht
mehr
angesprungen. Leute hatten ihn anzuschieben versucht nichts! Jetzt
stünde der Wagen in einer Werkstatt. Morgen würde
er ihn abholen.
Durch nichts war mein lieber Uwe an diesem Abend noch aufzuhei-
tern...
Ein Schrotthaufen namens Amiga
Am nächsten Tag fuhren wir gemeinsam mit einem Taxi in die Werk-
statt und Uwe zeigte mir stolz das aufgebockte Gefährt, das er
am
Vortag erworben hatte. "Amiga" stand auf der Winschutzscheibe.
Ei-
ner der vielen Vorbesitzer hatte das Auto wohl so getauft...
Amiga
sah gar nicht so übel
aus. Doch der sorgenvolle Blick des Me-
chanikers strafte den äußeren Eindruck der Autodame Lügen. Der
An-
lasser sei völlig hin, sagte er, und der Verteiler und die Zündspule
und die Batterie. Und die Kupplung würde es auch nicht mehr machen.
Aber das alles wäre kein Beinbruch und sei mit anderthalb Millionen in
die Reihe zu bekommen. Übler sei die Sache mit dem Getriebe... Al-
so alles zusammen würde in etwa um die drei Millionen kosten...
"Naja",
meinte Uwe,
"Hauptsache der Wagen läuft danach ordent-
lich. Pfeif auf die 750 Dollar Mehrkosten!" Das
hörte der Besitzer der
Werkstatt gerne. Aber, meinte er, Uwe müsse etwa 500
Dollar im Vor-
aus zahlen, damit er die Ersatzteile besorgen könne, am Freitagnach-
mittag wäre das Auto dann fertig.
Das
war zwar eine faustdicke Lüge,
aber am darauf folgenden Mitt-
woch tuckerte Amiga dann doch als neu erworbenes Familienauto mit
uns allen aus der Werkstatt nach Hause. Luma war ganz begeistert,
Uwe stolz und ich freute mich auch, dass wir unser erstes Auto in
Pa-
raguay hatten, das nun sogar lief. Es war ein erhebendes Gefühl. Wirk-
lich. Uwe schaltete an der nächsten Ampel, während wir bei Rot
war-
teten, die Klimaanlage an, denn das Thermometer war an diesem
Tag über die 36-Grad-Marke geklettert. Tuck- tuck-tuck machte der Mo-
tor dann war Funkstille.
Die Ampel schaltete auf Grün.
Hinter
uns begann ein Hupkonzert.
Uwe wurde sichtlich nervös und startete einige Male, dann sprang
Amiga endlich wieder an und Uwe fuhr mit viel Gas u.heulendem Mo-
tor weiter. "Die Klimaanlage zapft dem Motor Saft ab",
erklärte er mir
fachmännisch. "Mit ein bißchen mehr Gas ist das aber kein Problem."
Wie recht er hatte! An der nächsten Kreuzung röhrte Amiga kraftvoll
wie
ein Formel-Eins-Fahrzeug. Woinnnng.... woinnnnng... woinnng... dann
ging es weiter und Uwe erklärte mir, daß er daheim nur das
Standgas
höher stellen müsse, dann wäre das Problem behoben. Mein
unfach-
licher Frauentipp, ob es nicht sinnvoller wäre, an den Ampeln
einfach
die Klimaanlage auszuschalten, wurde mit tiefem Schweigen
hono-
riert. Profis lassen sich von Nichtprofis nicht gerne ins Zeug reden.
Woinnnng.... woinnnng.... Amiga brüllte wie ein Löwe an der
nächsten
Ampel. Und als es dann grün wurde, machte Amiga einen Ruck und
schwieg. Uwe startete neu durch ("Jetzt schalte
ich die scheiß Klima-
anlage ganz aus!!!") und wir kamen mit einer
leise schnurrenden
Amiga, allerdings ziemlich durchgeschwitzt schließlich heil wieder
zu
Hause an...
Übrigens
wurde das Auto etwa
vier Wochen später geklaut. Nun ja
wir haben Amiga nie wiedergesehen...
Worauf
ihr beim Autokauf achten solltet:
Beim Privatkauf
(z.B.
über Kleinanzeigen in der Zeitung ABC) solltet ihr immer einen Fachmann
dabei ha-
ben. Das kann auch ein Mechaniker aus einer Werstatt in Eurer Nähe
sein. Der wird sich geehrt fühlen,
wenn ihr ihm um seinen Rat fragt (und dafür auch einen kleinen
Obolus entrichtet).
Kauft nur Autos, bei denen die Titel
in Ordnung sind. Inzwischen wurde zwar eine neue Registrierung von
Autos eingeführt, aber immer noch kann man um drei Ecken dubiose
Autos kaufen, die inzwischen rigo-
ros beschlagnahmt werden, wenn man mit ihnen erwischt wird (oder
man muss tief in die Tasche grei-
fen).
Inzwischen kann man in Paraguay auch
Neu- und Gebrauchtwagen in Cuotas kaufen (Ratenzahlungen).
Diesen Service bieten aber meist nur professionelle Händler
an. Die Zahlungen laufen meistens über
Bank kredite und in 12, 18, 24 oder 36 Monatsraten. Passt auf, was
ihr da unterschreibt, nicht dass Euch
die Zinsen nachher auffressen.
Bei Gebrauchtfahrzeugen gilt in Paraguay
die Fausregel "gekauft ist gekauft". Spätere Ansprüche geltend
zu machen, ist ziemlich hoffnungslos. Bevor der Deal über die
Bühne geht, solltet Ihr also KFZ und Papie-
re immer sorgfältig prüfen oder in eiber Werkstätte
durchchecken lassen.
Viel Glück beim Autokauf wünschen euch
Mabel und Uwe
Mabels Familie... Nach
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Nach
etwa drei Handy-Minuten wusste ich, dass Uwe's neuer Flitzer ein "Mau-Mau-Auto"
war (ohne jegliche Papiere und Titel) und vermutlich mit einem geklauten
Wagen auf dem Weg nach Hause war. In solchen
Fällen wäre die Polizei unerbittlich, sagte die
Stimme am Telefon und setzte in versöhnlichem Ton hinzu: "Aber
unseren Freunde helfen wir, wo wir können..."