Copyright 2004 by H.W. Kopczinski, Paraguay

 
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Das Geschäft
mit mit den falschen Mar-
kenartikeln...


Ich weiß nicht, wel-
chen Weltrang unser
Ländchen im Verhö-
kern von falschen Mar-
kenartikeln einnimmt,
doch  dieser  'Wirt-
schaftszweig' boomt
nach wie vor.
Falsche Rolex- oder
Cartieruhren werden
einem in den größeren
Städten praktisch an
jeder Ecke angeboten.
Die Preise liegen da
in etwa bei den ge-
fälschten Sonnenbril-
len (ab ab 5 Euro bis
12 Euro). Die Uhren
sind zwar nicht was-
serdicht, aber sie tik-
ken ohne Probleme
und meist ebenso
zeitgenau wie die Ori-
ginale. Vor allem: nie-
mand versucht einem
beim Kauf weiszuma-
chen, dass es sich
dabei um eine echte
Marke handelt.
Dies gilt übrigens auch
für die sich rasch ver-
flüchtigenden Parfüms
(echter Ramsch!) oder
für falsche Textilien-
oder Schuhmarken.
Dior, Versage, Lewis-
oder Diesel-Jeans,
Yve St-Laurant oder
gar Fantasie-Unifor-
men, kann man in Pa-
raguay als falsche No-
belmarke überall er-
werben. Wen wundert
es da, dass kopierte
Computerspiele, CDs,
DVDs (alles in Spa-
nisch oder Englisch)
auch im "Fachhandel" unter der Theke zum
Bruchteil des Original-
Preises angeboten
werden. Und auch die
Videotheken quillen
über vor Raubkopien –
zur Freude der Farb-
kopierläden, welche
bestens von den Vi-
deoclubs leben. Übel:
Die PC-Freaks werden
leider oft regelrecht
gerollt. Hier wird in
Massen auch minder-
wertiger Ramsch im
Originalkarton angebo-
ten und Nicht-Fachleu-
te erkennen dann meist
viel zu spät, dass sie
ihren geliebten Compi
mit schlappen Prozes-
soren, Ramsch-Rams,
Motherboards, Sound-
karten, Festpaltten
usw. bestückt haben.
Auch beim Kauf von
Digi-Cams und ähnli-
chem sollte man be-
sonders in einigen spe-
ziellen Häusern in Ci-
udad del Este auf der
Hut sein. Auch dort
trügt oft der Schein und
es ist nicht alles Gold,
was glänzt...

Es ist nicht alles
      Gold was glänzt...

   
 Falsche Uhren, falsche Pässe, Doktortitel und anderes...

Was  bei  gefälschten Markenartikeln meist geduldet wird, verlangt beim Handel mit falschen Staatsbürger-
schaften (Zweitpass),  Doktorwürden usw., mehr Dis-
kretion. Wer sich da erwischen lässt, muss mit emp-
findlichen Strafen rechnen.  Entsprechend  gestalten
sich  hier  auch  die  Preise und die Vermittler halten
sich meist recht bedeckt und agieren äußerst vorsich-
tig. Dennoch blüht auch hier der Handel.
Tiefstes  und  preiswertestes  Glied  in  der Kette fal-
scher  Dokumente  sind  die paraguayischen  Führer-
scheine (etwa 10 Euro im Original)  sowie die Dauer-
aufenthaltsgenehmigungen für  Leute,  die es  (meist
wegen eines arg beschriebenen Führungszeugnisses)
selbst in Paraguay nicht schaffen, einwandern zu dür-
fen. Da werden dann schon mal 5.000 Euro fällig, um

das Unmögliche dann doch noch möglich zu machen.
Teuer wird's dann beim paraguayischen oder boliviani-
schen Zweitpass. Der kostet zwar an der Quelle nur
5.000 Dollar, erreicht aber den Adressaten am Ende
für 20.000 Dollar oder mehr, weil sich die restlichen
15.000 Mark die Anbieter und Beschaffer einsäckeln.
Schlecht: mit solchen Pässen in Paraguay einzurei-
sen, da die betroffenden Personen eben nicht über ei-
ne legale Staatsbürgerschaft verfügen und auch hier
die Computer allmählich unbestechlich werden. Mit
einem derart (teuer) erworbenen Papier kann man al-
so bestenfalls in Albanien ungestraft einreisen – alles andere könnte sich zum
Bumerang entwickeln.

 Fläche: 406.752 qkm  Einwohner: 5.000.000  Bevölkerung: 12/qkm  Regierungsform:  Demokratische Republik  Landeshauptstadt:  Asunción ( 1 Mio. Einw.)  Amts/Landessprache:  Spanisch u. Guaraní
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Hallo, Herr Doktor...
Auch der Handel mit Dokortiteln floriert recht gut.
Die Dokumente sind sogar echt und wer auf den üb-
lichen  Preis  von  15.000 Dollar noch einen Fünfer
draufpackt, der bekommt sein Papier sogar von ei-
nem hochrangingen Politiker überreicht. Paraguay
macht's möglich...
Spanisch muss man nicht können und ein Gastauf-
tritt als Dozent ist zwar  hilfreich,  aber  nicht  zwin-gend erforderlich – ein "Service", der gerne von ech-
ten Ärzten ohne akademischen Titel genutzt wird.
Vom praktischen Arzt über den Zahnarzt bis hin zum Professor (und Doktor) der
Physik oder Mathematik ist hier alles möglich. Auch hier  –  wie  bei den Zweit-
pässen  –  sind Verschwiegenheit, Diskretion  und  eine dicke Brieftasche erfor-
derlich...
Und dies gilt auch für illegale Kindesadoptionen,  die durch harte Devisen und ein paar krumme Wege dann doch immer wieder legalisiert werden können. Be-
amte, die einmal am Kuchen des kurzen Wohlstandes gekostet haben, verzich-
ten nur ungerne auf dieses "Zubrot"  und  so wurde schon so manche unfrucht-bare ausländische Lady im Land der Sonne wie  durch  ein Wunder dann doch
plötzlich schwanger und  entband  ein süßes, kleines brauchgefärbtes Baby in
einem Krankenhaus, dass auf solche finanziellen Spritzen angewiesen ist. Hier
zeichnen  sich  besonders  kindsüchtige US-Ladies durch plötzliche Fruchtbar-
keit aus. In bestimmten Hotels kann man zuweilen zahlreiche Paare beobach-
ten, die darauf warten, ihr Kind "legal zu empfangen"...

Exotenländer...
Nun erhebt sich angesichts solcher "Vorgänge" für viele Einwanderungsinteres-
sierte die Frage, ob man in einem solchen Land überhaupt leben kann. Natür-
lich kann man.  Tatsächlich sollte man sich also selbst die Frage stellen,  ob man in einem Exotenland tatsächlich leben möchte.
In der Regel wird man mit solchen Vorgängen wir hier beschrieben niemals kon-
frontiert. Und da, wo solche Dinge  trotzdem  unweigerlich in den Alltag einflies-sen und sich mit ihm verknüpfen  (falsche Markenartikel,  Schmiergeld  zahlen
statt Protokolle bei Verkehrssünden usw.) lernt man recht schnell damit zu le-
ben. Schmiergelder scheinen das Salz in der Suppe von Exotenländern zu sein.
Unterbezahlte Beamte,  schlechte Wirtschaftssituationen und ein bißchen auch
Mentalität der Einheimischen,  schaffen diese Grauzone des illegalen Handels.
Es gibt sicherlich zahlreiche Länder, wo es bedeutend ärger zugeht – wo also
ohne Schmiergeld absolut nichts läuft. In Paraguay geht es meistens auch oh-
ne; es dauert nur länger und kostet in der Regel mehr. Am Ende schlagen dann
auch Bakschisch-Hasser diesen bequemeren Weg ein, der alles ein wenig be-
flügeln kann.
Es ist also schon alles ein wenig anders, als in der alten Heimat. Und hier wie dort ist eben auch nicht alles Gold, was glänzt...